Ein Bericht aus der Zeitschrift „Partner Hund“ von Annette Schmitt. Ausgabe: Dezember 2001 Der Riesenschnauzer -Kluger Kopf mit großem Herz Was haben „Rauhaarige Pinscher“, „Münchener Schnauzer“ und „Bierschnauzer“ gemeinsam? – Es steckt ein und derselbe Hund dahinter, der uns heute in etwas veredelter Form unter dem Namen Riesenschnauzer bekannt ist. Wer einmal Fan ist, wird es immer bleiben, und warum dies so ist, er aber trotzdem kein Hund für jedermann ist, haben uns einige Fans hier verraten. Einst aus zotteligen, bärtigen Bauernhunden entstanden, zählt er heute zu einer der besten Gebrauchshunderassen, die aber auch als Familienhunde eine gute Figur machen. Die Rede ist vom Riesenschnauzer, jenem liebenswerten Raubein, das sich bei seinen Fans größter Beliebtheit erfreut. 1880 wurde er bereits im ersten deutschen Hundestammbuch als „Rauhaariger Pinscher“ erwähnt. Verbreitet war er hauptsächlich in Süddeutschland. So war er in München als „Münchener Schnauzer“ und „Bierschnauzer“ bekannt, da er oft Brauereiwagen begleiten und bewachen musste. 1907 wurde auch in München der „Bayerische Schnauzer Club“ gegründet. 1910 wird aber als eigentliche Geburtsstunde des Riesenschnauzers bezeichnet. Es wurden sechs Rüden und drei Hündinnen in das Zuchtbuch des Pinscher-Schnauzer-Klubs eingetragen. Kurz vor dem 1. Weltkrieg begann der Züchter Dr. Calaminus dann das Aussehen der einstigen Bauernhunde durch Einkreuzung Deutscher Doggen zu verfeinern. Vermutlich waren Großpudel und Schäferhunde an der Entstehung des uns heute bekannten Rassetypus des Riesenschnauzers beteiligt. Außerdem wurden übergroße Mittelschnauzer eingekreuzt, um die vor dem 1. Weltkrieg unter den Riesenschnauzern fast verlorene Farbvariante pfeffer-salz, neu aufzubauen. 1925 wurde der Riesenschnauzer offiziell als Diensthund anerkannt. Im selben Jahr erging durch den Pinscher-Schnauzer-Klub das Verbot der Einkreuzung von Mittelschnauzern. Heute kennen wir den Riesenschnauzer äußerlich als einen imposanten, respekteinflößenden Hund, in dessen Inneren sich aber für den, der zu ihm vorzudringen weiß, ein durchaus weicher, liebenswürdiger Kerl verbirgt. Frau Bloemsmar, Züchterin der immer noch unter den Riesenschnauzern seltenen Farbvariante pfeffer-salz, schätzt an Ihren Riesen vor allem die uneingeschränkte Kinderfreundlichkeit. „Der Riesenschnauzer hat“, so Frau Bloemsmar, „eine außerordentlich hohe Toleranzgrenze Kindern gegenüber.“ So tollen Hunde und Kinder im Hause Bloemsmar oft wild miteinander herum. Frau Bloemsmar betont aber auch, dass ihre Hunde „die Kinder ´nur´ als Kinder und nicht als gleichwertige geschweige denn ranghöhere Rudelmitglieder sehen“. Dies bedeutet also, dass der Riesenschnauzer einen durchsetzungsfähigen und ernst zu nehmenden Besitzer braucht. Frau Röpke, ebenfalls passionierte Riesenschnauzerbesitzerin, gibt daher zu bedenken: „Der Riesenschnauzer ist kein Hund für Anfänger.“ Konsequenz in der Erziehung ist auch bei dieser Rasse oberstes Gebot. Mit Härte kommt man allerdings nicht sehr weit, viel Lob bringt wesentlich mehr. Dem großen Hund müssen mit liebevollem, aber bestimmtem Auftreten ganz klare Grenzen gesetzt werden, damit ihm von Anfang an seine Position in der Rangordnung des Familienrudels klar ist. Beachtet man dies nicht, weiß Frau Bloemsmar zu berichten, „können vor allem Riesenschnauzerrüden zu Dominanz neigen und Ihrem Besitzer schnell über de Kopf wachsen“. Hat der Vierbeiner jedoch den zweibeinigen Chef als Rudelführer akzeptiert, ist er ihm treu ergeben. So beschreibt Frau Bloemsmar ihre Hunde als besonders anhänglich und liebebedürftig. Kein Hund für Stubenhocker Für eine ausgeglichene Herr-Hund-Beziehung ist es auch wichtig, dem temperamentvollen und bewegungsfreudigen Riesenschnauzer eine Aufgabe zu geben. „Ein Riesenschnauzer ist nichts für Langweiler und Stubenhocker“, sagt Frau Bloemsmar. Gabi Röpke empfiehlt regelmäßiges Training auf dem Hundplatz. „Der Riesenschnauzer ist geeignet für Hundesport in allen Variationen“, sagt sie. aus eigener Erfahrung kann die Hundefreundin sagen, dass Riesenschnauzer zwar gerne, aber nicht so schnell lernen wie beispielsweise Schäferhunde. „Wenn sie aber mal etwas gelernt haben, sitzt es auch, und das für immer“, fügt sie stolz an. Der Sportler mit der Pony-Frisur Dass der Riesenschnauzer aber auch für jeden Spaß zu haben ist, erzählt uns Frederik Laux. Er hat seinem Hund „Rollen auf den Teppich, Pfötchengeben rechts und links“ beigebracht. Außerdem bringt ihm sein schwarzer Riese zur Begrüßung die Hausschuhe. Familie Laux hatte sich „Jordan“ als Wachhund für den eigenen Zimmereibetrieb angeschafft – damals war Schnauzerfan Frederik erst 11 Jahre alt. Er charakterisiert seinen Hund als einen „wachsamen, lebhaften und gesunden Hund mit einem einmaligen Wesen. Allerdings kann er“, wie Herr Laux sagt, „auch sehr dickköpfig sein.“ Außerdem hat der Hundefreund besonders die gute Verträglichkeit seines Riesenschnauzers mit anderen Tieren hervor. „Wenn ich ein Handtuch auf seinen Rücken legen, weiß er genau, dass gleich unsere Vögel auf ihm reiten werden; das lässt er ganz geduldig über sich ergehen“, gibt Frederik Laux schmunzelnd zum Besten. „Selbst fremden Katzen gegenüber ist unser Hund völlig Problemlos, und zum Ausreiten nehme ich ihn auch öfters mit“, fügt er an. In Sachen Pflege sind sich alle drei Hundebesitzer einig. Sie ist zwar nicht aufwändig, dafür aber für Schnauzerneulinge etwas gewöhnungsbedürftig. Alle paar Wochen sollte ein Schnauzer getrimmt werden. „Dadurch haaren sie ansonsten so gut wie nicht“, weiß Frau Bloemsmar. „Bart und Pony sollten täglich gekämmt werden, da sie sonst schnell verfilzen“, rät Gabi Röpke, die nicht nur ihre Hunde sondern auch Schnauzer aus der Umgebung trimmt. Christel Bloemsmar empfiehlt zusätzlich, nach jedem Fressen den Bart abzuputzen. „Ansonsten kann es sein, das dies der Riesenschnauzer selbst erledigt, indem er seinen Bart auf dem Teppich, Sofapolstern oder Sessel einfach abrubbelt.“ Ein Schnauzer ist also nichts für allzu penible Hausfrauen, zumal er auch nach dem Trinken mit seinem Bart immer einige Wassertropfen auf dem Boden verteilt. Eine weitere Fangemeinde hat der Riesenschnauzer auch unter den Prominenten zu verzeichnen. Neben Schauspielerin Melanie Rühmann, Enkelin des unvergessenen Heinz Rühmann, nennt auch Bundespräsident Johannes Rau einen Riesenschnauzer sein eigen. Obwohl es eigentlich gar nicht unbedingt ein Riesenschnauzer sein sollte, wurde Familie Rau im Wuppertaler Tierheim fündig. Schnell erlagen sie dem Charme des damals erst ein paar Wochen alten bärtigen Riesen (-babys) „Scooter“. Für Schauspielerin Christine Reinhart wird ihr „Karl“ wohl unvergessen bleiben. Immerhin entpuppte er sich als Ehestifter. Sie soll einmal gesagt haben: “Ich glaube Toni hat mich nur geheiratet weil er den „Karl“ haben wollte.“ Wie man sieht hat der Riesenschnauzer eine eingefleischte Fangemeinde. Wer also einen großen und temperamentvollen Hund sucht, einen Hund, der für alle Schandtaten bereit, aber nicht immer ganz einfach zu erziehen ist, der wird vom Riesenschnauzer sicherlich begeistert sein.

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